Vom 15. - 31.August 2001 veranstaltete unser Stamm Anselm von Havelberg sein großes Sommerlager. Dieses Mal war Troldhoj bei Nordborg in Dänemark unser Domizil. Während dieser Zeit wollten wir natürlich auch vom Lagerplatz aus Funkbetrieb machen.

Um gut ausgerüstet zu sein, fingen wir schon früh mit der Planung an. Da wir für unsere Fahrt nach Dänemark nicht unbegrenzte Transportkapazitäten zur Verfügung hatten, mussten wir unsere Ausrüstung so reduzieren, dass alles in eine mittelgroße Aluminiumkiste passte. Angesichts dieser Tatsache verzichteten wir auf Endstufen und KW-Beams und nahmen "nur" eine 100W-KW-Station, eine FD4-Drahtantenne und eine FM-UKW-Station mit.

Als Shack errichteten wir eine Kothe, ein traditionelles schwarzes Pfadfinderzelt. In diesem Zelt bauten wir auf einem kleinen Campingtisch unsere Station auf. Unsere KW-Antenne spannten wir direkt über das Zelt, so dass die Speiseleitung nur die Höhe der Antenne über Grund (etwa 6m) betrug. Auf der einen Seite spannten wir die Antenne über einen Baum, was wir nach altbewährter Weise mit Hilfe eines gezielten Steinwurfes bewerkstelligten. Auf der gegenüberliegenden Seite bauten wir uns aus zwei gekreuzten Baumstämmen ein Zweibein, da hier keine geeigneten Bäume zu finden waren. Dieses Zweibein bildete unseren zweiten "Antennenmast". Die UKW-Antennen (vornehmlich für Packet Radio gedacht) befestigten wir an unserem unmittelbar neben der Funkkothe errichteten Lagerturm.

Da ein Vortrupp (zu dem auch der Autor dieses Artikels, Tom DL7AWO gehörte) schon am 13.August auf dem Zeltplatz eintraf, konnten wir unsere Funkanlage aufbauen, ohne dabei in Konflikt mit dem Gruppenprogramm zu kommen. Des weiteren konnten wir so schon vor Eintreffen der Hauptgruppe erste Informationen nach Berlin übermitteln, was wir in abendlichen Skeds mit Max DH7AHK auch taten. Hier stellten sich aber auch schon die ersten Probleme ein. Wie schon erwähnt hatten wir eine sehr kurze Speiseleitung für die KW-Antenne, da wir den Standort unseres Shacks frei wählen und so Verluste durch lange Kabelleitungen umgehen konnten. Auf der anderen Seite bescherte uns dies aber Einstrahlprobleme der übelsten Sorte, da wir praktisch direkt unter der Antenne saßen. Dies hatte zur Folge, dass unser mitgeführtes Schaltnetzteil seinen Dienst versagte, was sich darin äußerte, dass die Spannung sofort zusammen brach, sobald man die Sendetaste auch nur berührte. Alle Abschirm- und Abblockversuche blieben erfolglos und so mussten wir unsere Leistung auf etwa 50W reduzieren. QRP-Freunde werden jetzt wahrscheinlich den Kopf schütteln, da ja Amateurfunk-Verbindungen bekanntlich auch mit weitaus weniger Leistung möglich sind, für Skeds mit Berlin reichte diese Leistung aber gerade so aus. Um nicht das ganze Lager über dermaßen gehandicapt zu sein, wurde einige Tage später eine etwas größere LKW-Batterie angeschafft, die uns eine problemlose Stromversorgung garantierte. Diese Batterie hat mittlerweile ihren Weg in das Inventar von DL0AVH gefunden und wird uns auch in Zukunft bei Fielddays eine netzunabhängige Stromversorgung bescheren.

So funkten wir, wann immer es unsere sonstigen Aktivitäten zuließen. Dies war vornehmlich in der Mittagspause und am späten Abend der Fall. Anfangs war es nur einem OM möglich vom Lagerplatz aus zu funken, nämlich Tom DL7AWO. Nach einer Woche verstärkte dann Max DH7AHK das Ein-Mann-Team. Rene DO4JN durfte wegen fehlender CEPT-Klassifizierung der deutschen 3er-Klasse aus Dänemark keinen Betrieb machen. Neben den beiden aktiven Funkamateuren fanden auch immer wieder Gruppenkinder den Weg in das Funkzelt, da sie von den "merkwürdigen" Geräuschen angezogen wurden. Größere Werbeaktionen mussten wir also gar nicht durchführen, um auf uns aufmerksam zu machen. Die meistens Kinder blieben dann eine Weile und ließen sich das erklären, was gerade ablief. Manch einer blieb auch länger und hörte mit einer Engelsgeduld den QSOs zu. Ein aktives Einbeziehen der Kinder in den Funkverkehr (wie dies während des JOTAs erlaubt ist) war uns in Dänemark leider nicht möglich bzw. gestattet.

Da neben unserem Zeltplatz noch Platz für weitere Gruppen war, lernten wir in dieser Zeit auch immer wieder andere Pfadfinder kennen. Für uns Amateurfunker war vor allem ein kurzes Treffen mit einem dänischen OM interessant. Dank der wichtigen Tipps dieses OMs fanden wir endlich auch einen Digipeater...

Neben dem "normalen" Funkverkehr, von dem die Kinder ja relativ wenig haben, versuchten wir auch, unsere Klubstation anderweitig in das Lagerleben einzubinden. Ein Beispiel dafür war ein durchgeführtes Geländespiel. Bei diesem Spiel, einer Art Postenlauf, mussten die Pfadfinder diverse Rätsel lösen bzw. Gegenstände beschaffen. Die Aufgabe, die es beim Funkposten zu lösen galt, bestand in der Entzifferung kurzer Folgen von Morsezeichen, die aus dem Lautsprecher eines Funkgerätes schallten. Da die meisten jedoch (noch) keine Morsetelegraphie beherrschten, musste erst einmal eine Niederschrift des Morsecodes besorgt werden. Damit jedoch nicht genug. In der Zwischenzeit war nämlich leider die Batterie des Funkgerätes zu schwach geworden, um die Morsezeichen wiederzugeben. Nachdem auch die Batterie besorgt worden war, was entweder durch Tauschgeschäfte mit anderen Gruppen oder durch Kauf bei einem Händler möglich wurde, musste noch die Befähigung zur Teilnahme am Funkverkehr nachgewiesen werden. Dazu musste man der dafür zuständigen Dame sein Anliegen in der Landessprache verständlich machen. Also: Wörterbuch organisieren... Mit Batterie und dänischer Funklizenz konnte der Morsespruch dann endlich entziffert werden. Es handelte sich um den SOS-Ruf eines Seemanns. Dies gehörte aber wiederum zu einem anderen Rätsel...

Mit solchen und vielen anderen interessanten Tagespunkten verging das Sommerlager wieder einmal viel zu schnell. Eh man sich versah, waren die zwei ein halb Wochen auch schon vorbei.

Am letzten Tag bauten wir das komplette Lager und ebenso unsere "Funkkothe" und die Antennen wieder ab, verstauten alles in den Bussen und machten uns auf den Weg nach Berlin, wo wir nach einer mehrstündigen Autofahrt wohlbehalten ankamen.

 

  • sommerlager_01_01
  • sommerlager_01_02
  • sommerlager_01_03
  • sommerlager_01_04
  • sommerlager_01_05
  • sommerlager_01_06
  • sommerlager_01_07
  • sommerlager_01_08
  • sommerlager_01_09
  • sommerlager_01_10
  • sommerlager_01_11
  • sommerlager_01_12
  • sommerlager_01_13
  • sommerlager_01_14
  • sommerlager_01_15
  • sommerlager_01_16
  • sommerlager_01_17
  • sommerlager_01_18
  • sommerlager_01_19
  • sommerlager_01_20
  • sommerlager_01_21
  • sommerlager_01_22
  • sommerlager_01_23
  • sommerlager_01_24

Simple Image Gallery Extended

   
© DL7AWO
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok