FT8 kills Ham Radio!  

No FT8 300x300

   

SIWECOS  

   

Angefangen hat alles im Jahre 1993 mit der damaligen Rover-Stufe. Die Leiterin dieser Stufe hatte irgendwo eine Informationsbroschüre zum Jamboree on the Air, dem alljährlichen Treffen aller Pfadfinder auf den Amateurfunkbändern, entdeckt. Da ein Mitglied (DD6MK) dieser kleinen Gruppe von etwa 10 Leuten Funkamateur war, fasste man den Entschluss, einfach mal am nächsten JOTA teilzunehmen. Daraufhin liefen die Vorbereitungen an, QSL-Karten wurden entworfen, Locatorkarten besorgt, sogar T-Shirts wurden bemalt bzw. bedruckt. Wie gesagt, damals waren wir noch unter dem Privat-Rufzeichen DD6MK „on the Air“.

Die damalige Roverrunde (1993)
Die damalige Roverrunde (1993)

Da dieses erste JOTA allen eine Menge Spaß bereitet hatte, beschlossen wir, es zu einer Dauereinrichtung in unserem Stamm zu machen. Dabei kam uns zu gute, dass DD6MK endlich von seiner UKW-Lizenz (damalige C-Klasse) zu einer Kurzwellen-Lizenz (nämlich DL7AWO) „aufgestiegen“ und ein weiterer Funkamateur (DD6UM) dazu gekommen war. Am nächsten JOTA (1994) nahm der Stamm Anselm von Havelberg also unter den Calls DD6UM und DL7AWO (beide portabel) teil.

Als Funkstation nutzten wir zu dieser Zeit für Kurzwelle einen alten Sommerkamp FT-250 an einer Langdraht-Antenne, die wir einfach aus dem Fenster warfen und anschließend mit Hilfe einer Matchbox anpassten. Für Packet Radio erweckten wir einen (wahrscheinlich noch älteren) 8086-Computer wieder zu neuem Leben (ja, Baycom läuft selbst auf einem 8086er ohne Festplatte). Als Funkgerät nahm der jeweilige Operator sein Handy mit und schloss es an die mittlerweile installierte HB9CV-Antenne für 70cm.

Tom DL7AWO als Rover
Tom DL7AWO als Rover

Schon vor dem JOTA-Wochenende kam uns dann aber die Idee, für unseren Stamm ein Klubrufzeichen zu beantragen. Da unser Stamm den Namen „Anselm von Havelberg“ (AvH) sein eigen nennt, einigte man sich nach kurzer Beratung auf das Rufzeichen DL0AVH. Nachdem die Leiterrunde des Stammes zugestimmt hatte, ging der Antrag per Post zum damaligen Bundesamt für Post und Telekommunikation (BAPT Außenstelle Berlin 1). Leider waren wir nicht schnell genug, denn die Genehmigungsurkunde traf erst eine Woche nach dem JOTA bei uns ein. Doch durch diesen Umstand ließen wir uns nicht entmutigen...

Seit dem 18.10.94 führten wir also das Klubrufzeichen DL0AVH. In der Folgezeit kümmerten wir uns darum, in die Liste der Stationen aufgenommen zu werden, die Punkte für das „German-Scout-Award“ vergeben. Auch dies war kein Problem und so beflügelt, beantragten wir schließlich den Sonder-DOK „RDP“ (Ring deutscher Pfadfinderverbände). Dieser Antrag wurde am 21.Juni 1995 genehmigt, so dass wir weiter an „Attraktivität" gewannen.

Lange dauerte dieser Zustand leider nicht an, nach dem 38.JOTA 1995 zerfiel langsam aber sicher die Gruppe der Amateurfunk-Aktivisten im Rovertrupp des Stammes Anselm von Havelberg. DL7AWO musste (bzw. wollte) zur Bundeswehr, DD6UM begann sein Studium. Das Endergebnis dieser Entwicklung war dann schließlich die Abmeldung des Sonder-DOKs am 17.August 1996 und die Abmeldung der Klubstation DL0AVH einen Tag darauf.

Auch die JOTA-Teilnahmen schliefen damit ein ...

Unsere Kirche St. Maria - Hilfe der Christen
Unsere Kirche St. Maria - Hilfe der Christen

Nach dieser unendlich scheinenden Zeit des Dornröschen-Schlafes wurde die Amateurfunk-Klubstation 1999 wieder zu neuem Leben erweckt. Am 08.10.99 ging ein neuerlicher Antrag an die mittlerweile zur Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation mutierte Genehmigungsstelle. Ausschlaggebend dafür war, dass DL7AWO wieder Lust gewonnen hatte und zudem noch „Grüpplinge“ Interesse am Funken zeigten (einer wird hoffentlich demnächst die Klasse-3-Prüfung bestehen).

Auch die Ausrüstung wurde ein wenig erneuert und verbessert. So haben wir jetzt einen Kenwood TS-140s (mit 250Hz-CW-Filter) im Shack stehen und einen Dipol zwischen Turm und Kuppel zu hängen. Für die digitalen Betriebsarten und die Logbuch-Führung konnte ein 486er „abgestaubt“ werden, mit Hilfe eines Mju-Modems sind wir nun (neben Packet Radio) auch in RTTY und SSTV QRV. Außerdem zimmerte ein handwerklich begabtes Mitglied unseres Stammes ein kleinen (abschließbaren) Schrank, damit die (doch recht teure) Anlage auch Truppstunden mit jüngeren Pfadfindern „übersteht“.

Dank einer rasanten Bearbeitung (vielen Dank an Frau Thiel, und da sagt man immer, deutsche Behörden wären langsam) konnten wir schon am 14.10.99 die neue Genehmigungsurkunde in unseren Händen halten, gerade rechtzeitig zum 42.JOTA.

Gruppenphoto der Roverrunde
Gruppenphoto der damaligen Roverrunde

Am 42.JOTA nahmen wir wieder aktiv als Pfadfinder-Gruppe teil.

Und dass wir es dieses Mal ernst meinen, kann man daran erkennen, dass nun der Funkamateur Verlag in Berlin bemüht wurde, für uns QSL-Karten zu drucken. Die besagten Karten erreichten uns am 21.12.99. Wie sie aussehen? Das können Sie in der QSL-Rubrik unserer Homepage selbst nachschauen...

Mittlerweile (ab dem 01.05.00) führen wir auch wieder den Sonder-DOK „RDP“; ebenso vergeben wir wieder Punkte für das „German-Scout-Award“!

1993  
16. - 17.10. Teilnahme am 36.JOTA unter dem Rufzeichen DD6MK mit der damaligen Roverrunde
   

1994

 
03.10. Beantragung des Klubrufzeichens DL0AVH
15.-16.10 Teilnahme am 37.JOTA unter dem Rufzeichen DD6UM und DL7AWO
18.10. Genehmigung des Klubrufzeichens DL0AVH
   

1995

 
04.05. Aufnahme in die Liste der GSA-Stationen (=German Scout Award)
21.06. Genehmigung für den Sonder-DOK "RDP" (Ring deutscher Pfadfinderverbände) erhalten
21. - 22.10. Teilnahme am 38.JOTA unter dem Rufzeichen DL0AVH
   

1996

 
16.09. Abmeldung des Klubrufzeichens DL0AVH (Ende des Genehmigungszeitraumes: 31.10.96)
   

1998

 
23.09. Bau eines Schrankes für die Stationseinrichtung im Turmzimmer durch Rene und Tom DL7AWO
17. - 18.10. Teilnahme am 41.JOTA unter dem Rufzeichen DL7AWO
   

1999

 
27.02. Spannen eines Kurzwellen-Dipols vom Turm zur Kuppel der Kirche St.Marien
29.05. Reparatur der durch einen Sturm beschädigten Antenne
08.10. Erneute Beantragung des Klubrufzeichens DL0AVH
14.10. Erneute Genehmigung des Klubrufzeichens DL0AVH
15.10. Erneute Aufnahme in die Liste der GSA-Stationen
16. - 17.10. Teilnahme am 42.JOTA unter dem Rufzeichen DL0AVH
23.10. Aufnahme des Klubrufzeichens DL0AVH in die QSL-Karten-Vermittlung des DARC in Baunatal
24.11. Erteilung eines Druckauftrages für 1000 QSL-Karten beim Funkamateur-Verlag in Berlin
21.12. Erhalt der QSL-Karten
   

2000

 
02.02. Erneute Beantragung des Sonder-DOKs RDP
23.02. QRV in SSTV und RTTY mittels mju-Modems
26.02. Aufrüstung des Computers im Shack (486er, 66 MHz, 8 MB RAM, 8-fach CD-Rom-Laufwerk, 500 MB-Festplatte, neuer Monitor)
11.03. Auf der 16.Stammesversammlung wird beschlossen, dass der Stamm die Kosten der ersten 1000 QSL-Karten übernimmt.
23.03. Erhalt der Bestätigungsurkunde des Sonder-DOKs RDP
01.05. Beginn der Vergabe des Sonder-DOKs RDP
15.07. 80m-Fuchsjagd während eines Stammeswochenendes im Tegeler Forst
25.07. Anschaffung eines PK-232 MBX
18.09. Anschaffung eines Fritzel FB-23-Beams
11.10. Neuer Lizenzinhaber: Rene DO4JN
19.10. Anschaffung einer Kenwood TL-911 Kurzwellen-Endstufe
20. - 22.10. Teilnahme am 43.JOTA unter dem Rufzeichen DL0AVH
09.11. Erteilung eines Druckauftrags für die nächsten 2000 QSL-Karten beim Funkamateur-Verlag in Berlin
11.11. Anschaffung eines VCI PM 30 SWR-Meters und einer zweiten Kenwood TL-911 Endstufe als Ersatzteillager
26.12. Teilnahme am DARC-Weihnachscontest
   

2001

 
03.01. Erhalt der QSL-Karten
06.01. Erneutes Aufrüsten des Computers (Pentim-II, 266MHz, 128MB RAM, 6 GB Festplatte)
13.01. Winterfest des Stammes, Morsestation beim Postenlauf
14.01. Teilnahme am DARC 10m-Contest
20.02. Anschaffung eines Icom IC-R71E-Empfängers
25.02. Teilnahme am APRS-Aktivitätstag (KW und UKW)
09.03. Reparatur der KW-Endstufe und erste Inbetriebnahme
27.06. Anschaffung eines CDW HAM III Rotors für den KW-Beam
26. - 30.07. Funkfahrt nach Lomitz
30.07. - 03.08. Teilnahme am BdP-Bundeslager "Globalis" in Westernohe, Unterstützung des Funkteams
11. - 12.08. Teilnahme am WAE DC-Contest (CW)
13. - 31.08. Sommerlager des Stammes in Troldhoj (OZ), Betrieb einer KW-Station in einer "Funkkothe"
01. - 02.09. Teilnahme am WAE DC-Contest (SSB)
19. - 21.10. Teilnahme am 44.JOTA unter dem Rufzeichen DL0AVH
26. - 27.10. Besuch der Interradio (am 27.10.)
   

2002

 
02. - 09.09. Funkaktivität aus Grenz (Stammeswochenende)
21.09. Aufrüsten des Computers (Pentium-II, 350 MHz, 196 MB RAM, 40 GB Festplatte)

Der Stamm Anselm von Havelberg (AvH) wurde offiziell am 17.03.1985 gegründet. Da der Pfarrer der St.Marien Gemeinde Ulrich Weidel sich schon immer einen Pfadfinderstamm gewünscht hatte und einige Leiter eines schon bestehenden Stammes bereit waren, einen neuen Stamm zu gründen, wurde die Jugendarbeit in Berlin-Spandau ab sofort durch Pfadfinder bereichert.

Die erste Truppstunde fand am 11.01.85 im Gemeindehaus von St.Marien statt, nach diesem ersten Treffen blieben insgesamt 45 Mitglieder für die Stammesgründung übrig. Anfangs gab es nur eine Wölflings- und eine Jungpfadfinderstufe, nach den ersten Aktivitäten (einem Stammeswochenende und einem Pfingstlager) wurde dann jedoch relativ schnell (im März 1986) ein Pfadfindertrupp gegründet.

Es folgten Aktivitäten wie kleinere Wochenendlager, größere Sommerlager, Teilnahmen an den Jahresaktionen der DPSG, Winterfeste oder Übergabefeiern.

Wie erfolgreich die Arbeit des Stammes in dieser Zeit war, sieht man daran, dass der Stamm immer schneller expandierte. Am 01.10.87 wurde die Siedlung St.Lambertus gegründet, der eigene Stamm wurde durch einen Singkreis und eine Roverrunde erweitert.

Nach der Feier des 5-jährigen Bestehens am 17./18.03.90 wurde eine zweite Siedlung in St.Stephanus (Berlin-Haselhorst) gegründet.

Da der Platz des einen Truppraumes mittlerweile nicht mehr ausreichte, wurde 1992 ein Raum im Kirchturm renoviert und ausgebaut, welcher am 02.09.92 eingeweiht wurde. Dieser Raum wurde ab diesem Datum für Truppstunden der „älteren“ Stufen genutzt und beherbergt auch unsere Amateurfunkstation.

Vom 17. bis 19.03.95 feierte der Stamm Anselm von Havelberg 10-jähriges Bestehen.

mitgliederentwicklung

1903 wurde die Festung Spandau aufgelassen, worauf die Zahl der Bevölkerung sprunghaft zunahm. Die Marien-Kirche am Behnitz reichte nicht mehr aus. Am Askanierring, Ecke Moltkestraße, wurde ein entsprechend großes Grundstück erworben.

Baugeschichte:

07.10.1905        Vorentwurf datiert
07.03.1908 Ausführungsentwurf datiert
29.07.1908 Entwurf für die Turmänderung
04.10.1908 Baubeginn
20.05.1909 Grundsteinlegung
30.10.1910 Konsekration durch Georg Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau
1921 Vollendung der Ausmalung durch Theodor Nüttgens, Berlin


Professor Christoph Hehl, seinerzeit ein bekannter und bedeutender Kirchenbauer, erstellte die Kirche. Dem damaligen Geschmacksempfinden entsprechend verwendete er romanische und gotische Stilelemente, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, die Marien-Kirche als Kopie irgendeiner alten Kirche zu bauen. Für 1910 war dies ein „moderner“ Kirchenbau. Als Baumaterial verwendete er Backsteine im romanischen Klosterformat, was der Kirche ihren wuchtigen Charakter gibt. Der Kirche vorgelagert ist auf einem quadratischen Grundriss von 10m Seitenlänge ein Turm von 56m Höhe. Seit 1963 ist der gemauerte Turmhelm mit Kupfer verkleidet.

Die gewölbte Kuppel des Zentralbaus, die mit ihren 20 Fenstern das Kircheninnere ausreichend erhellt, bildet ein Zehneck, dem der Hauptaltar und die Nebenaltäre angegliedert sind. Zwischen dem Hauptaltar und dem massiven Turm ist ein Langhaus mit Orgelempore eingeschaltet. Zwei Quervorlagen erweitern das ganze zur Kreuzform. Im Inneren beeindruckt der Stützenwechsel zwischen den Pfeilern und Backsteinsäulen, auf dem der Zentralbau – außen 33m, innen 25m hoch, Weite 21m – ruht. Die Gesamtlänge des Bauwerks ist 54m. Die Ausmalung der Kirche wurde 1921 durch den Berliner Maler Theodor Nüttgens nach Angaben von Prof. Hehl durchgeführt. Von der Ausgestaltung des Inneren blieb, bis auf die Galvanoplastiken der Gottesmutter und des hl. Josef, nach der Zerbombung im zweiten Weltkrieg nichts erhalten.

Am 6.Oktober 1944 wurde das Kirchengrundstück bei einem Fliegerangriff von neun Bomben getroffen. Die sechs Sprengbomben, die allein die Kirche trafen, hinterließen ein Bild von Trümmern und Schutt. Einzig der Glockenturm blieb im wesentlichen erhalten, aber auch er hatte starke Beschädigungen aufzuweisen, die durch die Kämpfe um Spandau noch vergrößert wurden. Die gemauerten Gewölbe des Hauptbaues, der Altäre und der Empore waren zum größten Teil eingestürzt oder zeigten gefahrdrohende Rissbildung. Das stählerne Zeltdach über der Kuppel war stark verformt, durch die Sprengbomben teilweise zerrissen und aus der Normallage verschoben, so dass es in den Kirchenraum hing.

Die Kirche war in einem derartig desolaten Zustand, dass man mit einem Wiederaufbau kaum rechnen konnte. Nach Aussagen von Oberbaurat Lukanek beabsichtigte die englische Militärregierung die Sprengung. Sowohl das Bischöfliche Ordinariat und der Gesamtverband (wohl gestützt auf ein Gutachten des damaligen Diözesanbaurates Hinzen) wollten von einem Wiederaufbau nichts wissen. Wenn gegen alle Gutachten, die einen Abriss bzw. eine Sprengung der Kirchenruine befürworteten, dennoch die Kirche wieder aufgebaut wurde, ist dies zwei Männern zu danken, die mit einem „heiligen“ Starrsinn sich dem Wiederaufbau der Kirche verschworen hatten. Dem damaligen Pfarrer, Geistlicher Rat Nawrot, und dem ihm freundschaftlich zur Seite stehenden Oberbaurat Felix Lukanek.

Im Frühjahr 1946 konnte mit den Arbeiten in eigener Regie, also ohne Einsatz einer Baufirma begonnen werden. Die Enttrümmerung dauerte etwa ¼ Jahr. Der besondere Fleiß der Frauen und Männer der Pfarrei, die dabei mithalfen, darf nicht vergessen werden.

Nach langem Überlegen wurde eine Stahlbetonkuppel gewählt. Die zehn Rippen der Kuppel wurden als Stahlbetonfertigteile, je 10m lang, im Inneren des Kirchenraumes hergestellt. Die Art der Ausführung der Kuppelrippen aus Stahlbetonfertigteilen war bis dahin einmalig in Berlin.

Der Wiederaufbau der Kirche war 1952 so weit fortgeschritten, dass Bischof Weskamm am Himmelfahrtstage, dem 22.Mai, den ersten Gottesdienst in der wiedererbauten Kirche halten konnte. Nach dem Wiederaufbau der Bausubstanz (1946 – 1952) wurden am Turm und an den Fassaden (1963 – 1965) die Kriegsschäden beseitigt und eine Neugestaltung des Vorplatzes durchgeführt.


Ausgestaltung des Inneren der Kirche

Da es immer an Geldmitteln fehlte, wurde die Ausgestaltung des Inneren bis zuletzt zurückgestellt. Altar und Kanzel waren nur als Provisorium gedacht. 1960, anlässlich des 50. Kirchweihjubiläums, kritisierte Julius Kardinal Döpfner den „unwürdigen“ Altar und verlangte vom Pfarrer und den anwesenden Kirchenvorstehern, möglichst bald eine Änderung vorzunehmen. Wegen der damals zu erwartenden Liturgiereform wurde dem Wunsch des Kardinals nicht entsprochen und alle Maßnahmen zur Innenausstattung der Kirche auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Im Jahre 1968 wurde dieses Vorhaben durchgeführt.


Die Marienkirche nach der Umgestaltung der Innenräume

Dem alten Liturgieverständnis entsprechend, befand sich früher der Hochaltar in einer geräumigen Apsis, die vom Kuppelraum der Kirche durch zwei mächtigen Säulen getrennt war. Die Säulen wirkten wie Lettner, so dass von einem Drittel der Sitzplätze die Aussicht auf den Altar versperrt war.

Dem Architekten, Herrn Georg Schönfeld, wurde zur Auflage gemacht, ...

1.    den Altar so aufzustellen, dass er von allen Seiten sichtbar ist.
2. Die Apsiden und auch die Seitenschiffe optisch in den Kirchenraum mit einzubeziehen, so dass der Eindruck entsteht, es handelt sich bei den Apsiden und den Seitenschiffen nur um einen Umgang um den weiten Kuppelraum (Herr Architekt Schönfeld hat darüber hinaus auch das etwas zu kurz geratene Langschiff durch Aufhängung des Kreuzweges in Form eines Frieses optisch verlängert).
3. Den Priestersitz so aufzustellen, dass für alle sichtbar zum Ausdruck kommt, dass der Priester wohl Vorsteher, aber auch Glied der Gemeinde und selber Hörer des Worts ist.
4. Da Nebenaltäre nicht mehr notwendig sind, sollen in den Seitenapsiden der Tabernakel und der Taufstein Aufstellung finden.
5. Die beiden Figuren Maria mit dem Kind und St. Josef (Galvanoplastiken nach Entwürfen von Prof. Hehl) so aufzustellen, dass sie allgemein sichtbar sind und die Verehrung der Gläubigen weiterhin erfahren.

 
Herr Architekt Schönfeld hat die ihm gestellten Aufgaben bestmöglich erfüllt. Ernstzunehmende Kritik ist von keiner Seite erfolgt.

Bei der Ausgestaltung der Kirche wurde von vornherein grundsätzlich abgelehnt, dass nur modernes, dem augenblicklichen Geschmack entsprechendes Kunsthandwerk oder gar Kunstgewerbe aufgestellt wird. Auf die alte kirchliche Tradition, dass der Auftraggeber theologische Themen angibt, die vom Künstler mit den Mitteln der Kunst zum Ausdruck gebracht werden, sollte auch hier zurückgegriffen werden.

Alle Gebrauchs- und Kunstgegenstände sollen sich folgendem Thema ein- bzw. unterordnen: Die betende Gemeinde, das Volk Gottes des Neuen Bundes ist Erfüllung der Prophetie des alten Bundesvolkes.


Die Kreuzigungsgruppe

Auf dem Hochaltar der Marien-Kirche stand vor der Zerstörung eine Kreuzigungsgruppe von Prof. Josef Limburg. Diese Bronzegruppe wurde bei der Zerbombung der Kirche zerstört. Durch Zufall befand sich die Form noch im Besitz der Witwe des inzwischen verstorbenen Prof. Limburg. Frau Limburg, die mit dem damaligen Pfarrer von St. Marien seit Jahren bekannt war, stiftete einen Neuguss. Diese Kreuzigungsgruppe, die zu den stärksten Werken von Prof. Limburg gehört, fand an der Rückwand der Mittelapsis Aufstellung. Dass es sich bei dem Werk um ein bedeutendes Kunstwerk jener Zeit handelt, wird durch die Aussage von Frau Limburg bestätigt, nach der Papst Pius X. eine Fotografie der „Spandauer Madonna“ auf seinem Schreibtisch im Vatikan stehen hatte.

Maria wird in der Litanei „Lade des Bundes“ genannt. Insofern lag es nahe, den Tabernakel einer Marien-Kirche als Bundeslade zu gestalten. In Abänderung der alttestamentlichen Beschreibung wurde eine andere Form für die Bundeslade gewählt. Nach dem Wort des Herrn „wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“, wird diese Gegenwart Christi Wirklichkeit in dem zehneckigen Kuppelraum der Kirche. In besonderer Gegenwart befindet sich der Herr in der Gestalt des konsekrierten Brotes. Aus dieser für den gläubigen Christen gegebenen Tatsache wurde der Tabernakel als Nachbildung des Kuppelraumes der Kirche von Goldschmied Johannes Schlüter, Berlin, gestaltet. (Kupfer vergoldet, Höhe 63cm, Breite 70cm.) Der Tisch, auf dem der Tabernakel steht, wurde aus Restteilen des Altares, wie er vor der Zerbombung bestanden hatte, erstellt. Führt man den Gedanken, nämlich Tabernakel als Bundeslade, weiter, so gehören dazu auch der siebenarmige Leuchter, die Cherubim und der Vorhang des Tempels.

Die Verbindung der Kreuzigungsgruppe zum Altar ist durch die Aufstellung eines siebenarmigen Leuchters in Bronze (Höhe 3,65m, Breite 1,65m) hergestellt. Der Bildhauer Paul Brandenburg ist bei der Formgebung des Leuchters von dem Gedanken ausgegangen, dass er wohl als siebenarmiger Leuchter an das Alte Testament erinnert, aber auch gedanklich eine Verbindung zwischen Kreuz und Altar darstellt (sieben Gaben des Hl. Geistes, sieben Sakramente).

Die Aufstellung des Tabernakels und des Taufsteines (ein Geschenk der Stadt Spandau 1910 an die Pfarrei St. Marien) in den beiden Seitenapsiden (12m Höhe) wäre von den Proportionen her unmöglich gewesen. So wurden bei der Renovierung im Jahre 1968/69 in jede der Apsiden frei schwebende Betonplatten (3,50m hoch und 4,80m breit) aufgehängt.

Auf diese Platten hat der Berliner Maler Gerhard Köhler in Mineralfarben (Seccotechnik) die Beziehung des Altarraumes zum Alten Testament verdeutlicht.

In der linken hinter dem Tabernakel befindlichen Apside sind in abstrakter Weise neun Cherubim dargestellt. Das Gespinst der Flügel über einer Lichtscheibe im Mittelpunkt des Bildes sollen den Vorhang des Tempels versinnbildlichen.

Da in der Liturgie der Taufwasserweihe die Taufe mit dem Durchzug durch das Rote Meer verglichen wird, hat Gerhard Köhler, ebenfalls in abstrakter Weise, den Durchzug durch das Rote Meer dargestellt. In der Mitte werden zwölf Blöcke (die zwölf Stämme Israels) rechts und links von zwei lichten Wellen flankiert. Diese Wellen sind so gemalt worden, wie etwa eine Wasserwelle umschlägt. Wie durch eine Furt kann das Volk Gottes durch das Rote Meer bzw. durch das Wasser des Taufbrunnens hindurchschreiten. Um anzudeuten, dass das Volk Gottes, wenn es durch das Wasser der Taufe geschritten ist, sich noch nicht in der Herrlichkeit Gottes befindet, sondern nach wie vor in Bedrohung lebt, steigen von rechts und links tief-dunkle Wellen empor. Wäre das Umschlagen dieser Wellen genauso „natürlich“ wie bei den lichten Wellen dargestellt, würden sie unweigerlich das Volk Gottes ertränken. Um anzudeuten, dass durch das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes das Unmögliche möglich wird, lässt der Maler die bedrohenden Wellen scharf nach rechts und links zurückbrechen.

Beide Bilder sind als Meditationsbilder gedacht, denn nur dem, der in Ruhe meditierend vor ihnen verweilt, wird ihr tiefer Sinn offenbar werden.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Altar. Bei der Renovierung war man sich klar, dass der Altar kein „schön“ behauener Steinblock sein durfte. Der Altar muss ein Kunstwerk sein, das von sich aus eine Aussage macht. Gedanklich liegt dem Altar zugrunde: 1 Kön 18, 31-32 „Elias nahm zwölf Steine nach der Zahl der Stämme der Jakobssöhne, zu denen der Herr gesagt hatte: „Israel soll dein Name sein!“ Er erbaute aus den Steinen einen Altar im Namen des Herrn ...“ Zwölf Steine können nicht unmittelbar wahrgenommen, sondern nur abgezählt werden. Allen Bedenken zum Trotz blieb man bei diesem Entwurf, denn die künstlerische Aussage, die unmittelbar verstanden werden kann, soll doch die sein: an dieser Stelle wird dem selben Gott geopfert, der einst die zwölf Stämme zu Israel machte, und der auf zwölf Apostel die Kirche des Neuen Bundes gründete. Diesem Gott wird durch Christus das Opfer in der Gemeinde dargebracht.

Entwurf und Ausführung des Altars in anröchter Dolomit (etwa grünlich, als Kontrastfarbe zu den roten Backsteinsäulen) stammen von dem Bildhauer Paul Brandenburger, der aus dem gleichen Material den Ambo und den Priestersitz geschaffen hat. Durch die Bearbeitung in einer archaischen Formgebung ist es dem Künstler gelungen, nochmals einen Hinweis für die Verbindung des Alten und des Neuen Testaments zu geben.

Am 17. Mai 1969 konsekrierte Alfred Kardinal Bengsch, Bischof von Berlin, den Altar und mauerte bei dieser Gelegenheit Reliquien der hl. Märtyrer Pius I. (Papst von 140 – 155) und Agapitus ein. (Um welchen von den Märtyrern dieses Namens es sich bei dieser Reliquie handelt, ließ sich aus der eingemauerten Urkunde nicht ermitteln).

An Besonderheiten weist die Kirche noch zwei Kunstwerke auf: Gleich rechts vom Eingang hängt in einem kleinen Andachtsraum eine Ikone aus dem Moskowiter Raum (Ende des 18. Jahrhunderts, Größe 30 zu 22,5cm). Auffällig ist an der Darstellung der Pieta, dass der Künstler den vom Kreuz abgenommenen Christus in den Schoß Mariens in der Größe eines Säugling legt. Den nur schlecht lesbaren kyrillischen Buchstaben nach heißt diese Ikone „Mutter weine nicht“.

Genau gegenüber fand ein anderes Kunstwerk in der ehemaligen Taufkapelle Aufstellung. Es ist eine Bronzebüste Papst Pius X., die Professor Limburg 1904 in Rom schuf (85cm hoch, 75cm breit). Sie ist aus zweifachem Grund aufgestellt worden:

1.    Die Marienkirche würde während des Pontifikates Pius´ X. erbaut und am 30. Oktober 1910 durch den Fürstbischof von Breslau, Kardinal Kopp, konsekriert.
2. Der inzwischen heiliggesprochene Papst Pius X. strahlt soviel Heiligkeit, Güte und Männlichkeit aus, dass er seine Verehrer auf ihrem eigenen Weg zur Heiligkeit ermutigt.


Patronin der Kirche ist „Maria, Hilfe der Christen“.

georg01Der Ritter Sankt Georg, nach dem sogar ein Land (Georgien) den Namen trägt, ist Märtyrer und katholischer Heiliger. Er ist Patron verschiedener Ritterorden, der Reiter, der Pfadfinder, Schützen, Waffenschmiede, Bauern und der Pferde. Sein Gedenktag ist nach dem römischen Martyrologium am 23. April. Dieser Tag wurde durch eine Nationalsynode zu Oxford im Jahre 1222 für England, dessen Patron er ebenfalls ist, zum Feiertag bestimmt.

Die nachweisbare Verehrung des heiligen Georg reicht bis ins frühe 4. Jahrhundert zurück. Seit Mitte des 4. Jahrhunderts gibt es vor allem im syrisch-palästinensischen und ägyptischen Raum, aber auch in Griechenland eine Vielzahl von Kultbelegen bzw. Kirchen. Die älteste auf den Titel des hl. Georg durch Bischof Tiberinus geweihte Kirche in Hauran (Saccaea / Shaqqa in der Provinz Arabien) lässt sich in die Jahre 354-357 zurückverfolgen.

Die Legende erzählt von Georg als einen hochgestellten Soldaten in der römischen Kavallerie, der um 303 den Märtyrertod erlitt. Er erlebte, wie viele Bekehrte durch die Verfolgungen unter den Kaisern Diocletian (245-313) und Maximian (um 240-310) wieder ungläubig wurden. Daraufhin gab er seinen Besitz den Armen und predigte die christliche Lehre. Als Folge dessen wurde er verhaftet und enthauptet.

Die historische Gestalt des Heiligen lässt sich zwar nicht mehr genau fassen, seine Heimat wird jedoch in Melitene / Kappadoklen vermutet. Das Grab mit den Reliquien Georgs ist in der von Kaiser Justinian (527-565) erbauten Kirche in Lydda-Diospolis, unweit von Jerusalem zu finden. Seine Heiligsprechung erfolgte im Jahre 494 durch Papst Gelasius.

Erst relativ spät, im 12. oder 13. Jahrhundert, wird über den Kampf mit dem Drachen berichtet. Der Drache hauste in einem See vor der Stadt und verpestete die Stadt mit seinem Gifthauch. Die Einwohner mussten ihm täglich Lämmer oder Schafe opfern, um ihn gütlich zu stimmen. Als keine Tiere mehr aufzutreiben waren, wurden die Söhne und Töchter geopfert. Eines Tages traf das Los die Königstochter. Als sie an den See vor der Stadt ging erschien Georg und versprach, den Drachen zu töten, wenn die Leute sich zu Christus bekehrten. Er erschlug den Drachen und der König ließ sich daraufhin mit seinem Volk taufen.

Diese Drachenkampflegende ist als Kampf zwischen Gut und Böse zu verstehen, wobei der Drache als Sinnbild für alle lebens- und glaubenswidrigen Kräfte und Mächte steht.

Eine weitere Legende erzählt davon, wie Georg dem Heer der Kreuzfahrer vor der Schlacht bei Antiochien und ebenso Richard I. auf seinem Zuge gegen die Sarazenen erschienen ist, weshalb ihn vorzugsweise die Kriegsleute verehrten.

Georg wird seit dem 12. Jahrhundert hoch zu Ross mit dem Drachen kämpfend dargestellt, wobei ihn oft auch die Siegesfahne umgibt, da er als jugendlicher Sieger über das Böse gilt. Er gehört zu den 14 Nothelfern. Seine Attribute sind der Ritter mit Lanze, den Drachen durchbohrend.

   
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